Ausgabe 4

Mai 2022

Einführung

Im Monat Mai spielte – neben dem anhaltenden Krieg in der Ukraine – die Kontroverse um den Fußballspieler Idrissa Gueye nicht nur in der islamistischen Szene eine relevante Rolle in den sozialen Medien. Der muslimische Spieler des französischen Fußballclubs Paris St. Germain weigerte sich am 37. Spieltag der diesjährigen Saison in einem Ligaspiel gegen den HSC Montpellier auf dem Platz aufzulaufen. Grund dafür soll der „Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“ gewesen sein, zu dem die französischen Erstligamannschaften mit Trikots in Regenbogenfarben auftraten. Der französische Fußballverband kündigte daraufhin eine Untersuchung an und forderte Gueye zu einer Erklärung auf.

Vor allem in den sozialen Medien kursierte in der Folge europaweit der Hashtag #WeAreAllIdrissa. Auch einige Akteure aus der islamistischen Szene in Deutschland griffen das Thema auf. Darunter waren Muslim Interaktiv (Hizb ut-Tahrir), Rabie Samaka (Muslimbruderschaft) und der Prediger Abu Suleyman al-Kurdi (salafistische Szene). Eine durch KN:IX monitor durchgeführte Frequenz-Analyse von 388 Beiträgen auf Twitter ergab darüber hinaus, dass Nutzer*innen, die unter dem Hashtag WeAreAllIdrissa kommentierten, vor allem Begriffe verwendeten, die mit der freien Religionsausübung im Zusammenhang stehen und häufig im Framing von Islamist*innen strategisch eingesetzt werden. So ließen sich Begriffe wie Freiheit (200 Mal), Meinungsfreiheit (168 Mal), Kopftuch (154 Mal) und Doppelmoral (138 Mal) quantitativ ermitteln. „man darf koran verbrennen der prophet Mohamed beleidigen Kopftuch verbieten, aber die homos nicht zu unterstützen ist eine Strafe. Doppel Moral des Westens (sic!)“, so ein Nutzer.

Twitter

 

Rang Akteur Retweets Likes
1 Muslim Interaktiv 63 212
2 Rabie Samaka 33 108
3 Abu Suleyman al Kurdi 19 137

 

Parallel reagierten auch auf YouTube Akteure der islamistischen Szene auf das Thema und verknüpften es mit einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit sexuellen Orientierungen und Lebensentwürfen.

YouTube

Rang Akteur Titel Aufrufe Kommentare Mag ich
1 Föderale Islamische Union „Aber es schadet doch niemand!“ – Islam & LGBTQ – Marcel Krass 31.316 207 2.084
2 Botschaft des Islam LGBT und Islam? Ist das überhaupt vereinbar? 31.523 660 3.054
3 Realität Islam PSG-Spieler macht nicht mit 3.090 91 411

Während Suhaib R. Hoffmann von Realität Islam den Fall direkt aufgriff, befassten sich Marcel Krass von der Föderalen Islamischen Union und die Macher von Botschaft des Islam prinzipiell mit der LGBTQ-Thematik auseinander.

Einordnung

Die Ablehnung westlicher Lebensentwürfe insbesondere von sexuellen Orientierungen und deren Sichtbarkeit, bleiben nicht nur für islamistische Akteur*innen ein polarisierendes Thema. Letztere greifen solche Themen häufig strategisch auf, um eine Konfrontation zwischen den „westlichen“ Werten auf der einen Seite und muslimischen Lebenseinstellungen und Werten auf der anderen zu konstruieren.