Gewalt die bleibt – zur Weitergabe von Gewalt, Angst und Erinnerung in einer Stadt mit multipler Anschlagsgeschichte 24.02.2026

Wie wirkt Gewalt über Generationen hinweg und was bedeutet es, in einer Stadt mit Anschlagsgeschichte zu leben? Im Gespräch mit dem Psychotherapeuten und Traumaexperten Ali Kemal Gün verbinden wir historische Einordnung mit psychologischen und gesellschaftlichen Perspektiven. Wir laden Sie herzlich zu dem Webtalk am 24. Februar 2026 ein. Die Veranstaltung findet von 16:00 bis 17:30 Uhr via Zoom statt.

Mit Ali Kemal Gün (Integrationsbeauftragter der LVR-Klinik Köln)

Rassistische und religiös begründete Gewalt sind keine abgeschlossenen Ereignisse, sondern Teil einer fortwirkenden gesellschaftlichen Realität. Der Solinger Brandanschlag von 1993, bei dem gezielt türkischstämmige Menschen ermordet wurden, steht exemplarisch für eine Reihe rassistisch motivierter Angriffe auf migrantisch gelesene Personen in Deutschland. Solche Taten prägen nicht nur die unmittelbar Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern schreiben sich tief in kollektive Erinnerungen ein – und wirken über Generationen hinweg fort.

Im Jahr 2024 erschütterte die Stadt eine weitere ideologisch motivierte Gewalttat. Der islamistisch motivierte Anschlag auf das Festival der Vielfalt hat bestehende Vulnerabilitäten offengelegt und eine erneute Kerbe in das Stadtgedächtnis geschlagen. Der Täter, inspiriert vom sogenannten „Islamischen Staat“, unterschied nicht zwischen migrantischen und nicht-migrantischen Menschen. Dies verdeutlicht: Gewalt wirkt nicht trennscharf, sondern betrifft die Gesellschaft insgesamt.

Der Webtalk geht der Frage nach, wie transgenerationale Traumata insbesondere in migrantischen Communities weitergegeben werden, welche gesellschaftlichen und städtischen sowie Community-basierten Umgangsformen mit solcher Gewalt existieren und was es bedeutet, an einem Ort zu leben, der, wie Solingen, von einer multiplen Anschlagsgeschichte geprägt ist. Im Gespräch mit dem Psychologischen Psychotherapeuten und Traumaexperten Ali Kemal Gün verbinden wir historische Einordnung mit psychologischen und gesellschaftlichen Perspektiven. In Zentrum stehen dabei die Weitergabe von Angst und Schweigen ebenso wie Möglichkeiten der Aufarbeitung und der Entwicklung kollektive Resilienz.

Der Webtalk findet im Rahmen der Reihe „Getroffene Orte“ – Lokale Strategien im Umgang mit islamistischer und rassistischer Gewalt statt, veranstaltet von ufuq.de, dem RADIS-Forschungsnetzwerk und der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Mitarbeit von ufuq.de erfolgt im Rahmen von KN:IX connect.