Zwischen digitaler Dynamik und Präventionspraxis – Ein Gespräch mit Maik Fielitz

Im Interview spricht Maik Fielitz über die wachsende Bedeutung digitaler Medien für islamistische Radikalisierungsdynamiken und die Herausforderungen für Präventionsarbeit im Netz. Außerdem erklärt er, warum phänomenübergreifende Perspektiven und der enge Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis für eine wirksame Islamismusprävention entscheidend sind.

Maik Fielitz ist Bereichsleiter für digitale Konfliktforschung am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. Er forscht zur Transformation des (Rechts-)Extremismus im Zuge der Digitalisierung und zur Rolle digitaler Plattformen in liberalen Demokratien. Er ist Mitherausgeber von Machine Against the Rage.

Welche Themen bekommen zu viel Aufmerksamkeit – welche zu wenig?

Ich verfolge die Arbeit der KN:IX connect Partner seit vielen Jahren und ich schätze die tiefen Einblicke in die Präventionsarbeit, die Wissenstransferformate und die interdisziplinäre Arbeitsweise. Wenn man sich mit dem Thema Islamismus beschäftigt, kommt man an KN:IX connect nicht vorbei. Als Beirat freue ich mich, über die neuesten Entwicklungen immer gut informiert zu werden und auch zukünftige Themenschwerpunkt einbringen zu können. Die phänomenübergreifenden Perspektiven von KN:IX connect geben mir zudem wichtige Impulse für die eigene Arbeit.

Welche Themen bekommen zu viel Aufmerksamkeit in öffentlichen Diskursen – welche zu wenig?

Das Thema Islamismus kommt zumeist nur im Kontext von Anschlägen, Razzien oder Festnahmen in den Fokus der Öffentlichkeit. Dabei ist die Einflussnahme islamistischer Ideen und Akteure kontinuierlich und für viele unsichtbar. Die Digitalisierung hat ganz neue (Ausdrucks-)Möglichkeiten geschaffen, sich in den Dienst des Islamismus – und gegen die liberale Demokratie – zu stellen. Hier muss die Rolle digitaler Kulturen stärker berücksichtigt werden. Schließlich ist der Umgang mit dem Islamismus stets selbst auch in größere Konfliktdynamiken eingehegt. Dabei ist es wichtig, das eigene Handeln stets zu reflektieren, um nicht ungewollte Effekte auszulösen. Für mich ist es gut zu wissen, dass KN:IX connect sich bei diesem Thema auch der Frage der Wirkung der eigenen Arbeit stellt.

Wodurch zeichnet sich eine gute Islamismusprävention aus Deiner Sicht aus?

Gute Islamismusprävention heißt für mich, sich nicht hinter Allgemeinplätzen zu verstecken, sondern auch dort hinzugehen, wo es wehtut und wo Dissens droht. Das Vertrauen in die eigene Expertise sollte handlungsleitend sein, auch neue Wege auszuprobieren. Weiterhin ist die Arbeit an Querschnittsbereichen wichtig, um auch Einblicke aus anderen Phänomenbereichen mit zu berücksichtigen und auch die eigenen Erkenntnisse in Dialog zu bringen.

Wie wird sich der Islamismus als Phänomen in den nächsten zehn Jahren (weiter-)entwickeln? Welche Trends werden sich aus Deiner Sicht fortsetzen/ergeben?

Wie auch in anderen Phänomenbereichen werden wir es mit einer weiteren Zersplitterung des Islamismus zu tun haben. Islamismus wird immer mehr über ephemere Online-Formate wahrgenommen und die Identifizierung mit den jeweiligen Ideen lässt sich durch die vielfältigen Anreizstrukturen digitaler Kulturen schwer nachvollziehen. Ebenso erschwert die Schnelllebigkeit der digitalen Kommunikation die Eingriffsstellen der Präventionsarbeit. Um hierauf adäquat reagieren zu können, benötigt es einen engen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Vielen Dank für das Interview!

Foto: Bernd Widmann für IDZ Jena