Islamismusprävention: wertschätzend und auf Augenhöhe – Interview mit Dominik Irani

Ein Gespräch mit dem KN:IX connect Fachbeirat

Dominik Irani ist Leiter des Kompetenzzentrums für Deradikalisierung und Risikoanalyse im Bayerischen Landeskriminalamt. In dieser Funktion verantwortet er aktuell das Themenfeld Deradikalisierung im Phänomenbereich religiös begründeter Extremismus/Islamismus im Bereich sicherheitsrelevanter Fälle sowie die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Stellen. Im Gespräch mit uns teilt er seine Perspektive als Mitglied des KN:IX connect Fachbeirats auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen:

Wie hängen Islamismusprävention und Demokratieförderung zusammen?

Der Demokratieförderung kommt eine zentrale Rolle bei der Prävention von Extremismus zu. Letztlich bedeutet der Erfolg demokratiefördernder Maßnahmen immer auch eine gelungene Prävention von Extremismus – denn die Förderung eines demokratischen Miteinanders und die Stärkung demokratischer Strukturen bedeuten immer auch, dass der Hinwendung zum Extremismus frühzeitig der Nährboden entzogen wird.

Wie wird sich der Islamismus als Phänomen in den nächsten zehn Jahren (weiter-)entwickeln? Welche Trends werden sich aus Ihrer Sicht fortsetzen/ergeben?

Wir werden vermutlich so wie nahezu allen Lebensbereichen auch im Extremismus und im Phänomen Islamismus die Fortsetzung der Digitalisierung und im besonderen die Folgen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz sehen. Viele Prozesse werden sich noch weiter oder ausschließlich in virtuelle Räume verlagern. Auch werden geopolitische Ereignisse, bewaffnete Konflikte und Unruhen sich weiter auf die Entwicklung des Phänomens Islamismus auswirken. Eine weitere Zunahme des Antisemitismus innerhalb des Phänomens ist ebenso möglich wie eine noch stärker auf junge Menschen zugeschnittene Strategie zur Ansprache und Rekrutierung. Dabei werden soziale Medien und möglichst kurze, prägnante und emotionalisierende Inhalte eine noch größere Rolle spielen als ohnehin schon.

Wodurch zeichnet sich eine gute Islamismusprävention aus Ihrer Sicht aus?

Im Rahmen einer guten Islamismusprävention arbeiten die relevanten Akteure konstruktiv in einem rechtssicheren Rahmen zusammen. Die verschiedenen Akteure begegnen sich dabei wertschätzend und auf Augenhöhe. Zu einer guten Islamismusprävention zählt weiterhin die konzeptionelle Berücksichtigung des Umgangs mit den Schnittstellen zwischen der Primär- Sekundär- und Tertiärprävention. Eine gute Islamismusprävention ist modern aufgestellt, entwickelt sich ständig fort und geht neue Themen, die sich durch die Veränderung des Phänomens ergeben, offensiv und lösungsorientiert an. Und eine gute Islamismusprävention hat stets die Wechselwirkungen und Bezugspunkte zu anderen (extremistischen) Phänomenen im Blick und kann sich auf diese flexibel einstellen.

Vielen Dank für das Interview!

Foto: Henning Schacht / BMI