Demokratische Teilhabe ist Teil der Lösung – Interview mit Ramses Michael Oueslati

Wie gelingt Präventionsarbeit in einer polarisierten Gesellschaft? Ein Gespräch mit dem KN:IX connect Fachbeirat

Ramses Michael Oueslati arbeitet am Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen zur Radikalisierungsprävention und publiziert zu rassismuskritischer Didaktik und Unterrichtsmaterialien. Im Interview erläutert er, warum eine respektvolle und zugleich streitbare Debattenkultur sowie demokratische Teilhabe zentrale Elemente wirksamer Präventionsarbeit sind.

Was motiviert Sie persönlich im Fachbeirat von KN:IX connect mitzuwirken?

Der bundesweite bundesweite Expert:innenaustausch ist politisch wie fachlich multiperspektivisch einmalig – auch aufgrund der Vielzahl offizieller und zivilgesellschaftlicher Akteure.

Warum sind zivilgesellschaftliche Akteure in der (Islamismus-)prävention und der Demokratieförderung wichtig?

Eine sicherheitsbehördliche Auseinandersetzung mit Radikalisierung ist im Sinne einer wehrhaften Demokratie wichtig. Dennoch müssen wir früher ansetzen, damit es erst gar nicht dazu kommt. Dies ist Aufgabe einer professionellen Islamismusprävention. Die demokratische Mitbestimmung von Muslim:innen in Deutschland ist dabei Teil der Lösung.

Wodurch zeichnet sich eine gute Islamismusprävention aus Ihrer Sicht aus?

Gute Islamismusprävention bedeutet zu wissen, wann eine rote Linie zu ziehen ist und wie dennoch eine Beziehung präventiv aufrechterhalten werden muss zu einem sich radikalisierenden Menschen. Wer zu früh das Verhältnis abbricht, überlässt diese junge Menschen schutzlos dem Bann von Islamisten. Wer keine Linien zieht, auch. Beides ist notwendig, um die Gesellschaft und den Verdächtigen selbst zu schützen, der manchmal Täter und Opfer von Islamismus zugleich sein kann.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Ihre Arbeit in diesem Bereich? Was bereitet Ihnen Sorgen?

Markige Sprüche in Talkshows und sozialen Medien zu Islamismus bedienen vor allem die Aufmerksamkeitsökonomie. Dies polarisiert die Gesellschaft, statt wirklich zur Problemlösung beizutragen. Jenseits von stereotypen Schuldzuweisungen wäre eine respektvolle und dennoch streitbare Diskussionskultur auch ein besseres Vorbild für Jugendliche.

Wie hängen Islamismusprävention und Demokratieförderung zusammen?

Menschen, die nachhaltig demokratisch mitbestimmen können und echte Chancen im Leben erhalten, sind weniger anfällig für allmächtige Erlöserfantasien.

Vielen Dank für das Interview!